WG Düngen

[Englische Übersetzung] Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz ist bei älteren Patienten in Deutschland die häufigste Einweisungsdiagnose und wird zunehmend als Volkserkrankung wahrgenommen.

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Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz ist bei älteren Patienten in Deutschland die häufigste Einweisungsdiagnose und wird zunehmend als Volkserkrankung wahrgenommen. Trotz der enormen Fortschritte bei der Diagnose und der Therapie ist die Prognose der Herzinsuffizienz schlecht und ist mit der von malignen Erkrankungen vergleichbar. Nachdem lange Zeit keine neuen Wirkstoffklassen für die medikamentöse Herzinsuffizienztherapie identifiziert wurden, konnte nun für Eisencarboxymaltose eine gute symptomatische Wirkung gezeigt werden. Auch der If-Kanalblocker Ivabradin kann eine sinnvolle Ergänzung zur "klassischen Herzinsuffizienzmedikation" darstellen. Weitere Substanzen, wie der direkte Reninblocker Aliskiren, werden derzeit in großen Studienprogrammen auch in unserer Klinik evaluiert.

Neben der Erprobung weiterer neuer Substanzen und weiterer interventioneller und technischer Therapiemaßnahmen muss sichergestellt werden, dass die etablierte und in den Leitlinien empfohlene Therapie bei den Patienten Anwendung findet. Fast 70.000 Todesfälle jährlich seien allein in den USA zu verhindern, wenn die Therapie der Herzinsuffizienz den Leitlinien folgen würde. Allein durch die leitliniengerechte Betablockertherapie wären pro Jahr 12.922 Todesfälle zu verhindern. Die Gründe für die fehlende Umsetzung der Leitlinien sind unklar. Eine gute Verträglichkeit der Wirkstoffe mit einer geringen Rate an Nebenwirkungen kann ein Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie sein und die Akzeptanz bei den Patienten und behandelnden Ärzten erhöhen. Leider gibt es zu den einmal etablierten Substanzen kaum direkte Vergleiche.

Betablockertherapie der Herzinsuffizienz

Die in dieser Arbeit vorgestellte CIBIS-ELD Studie ist bei älteren Patienten mit Herzinsuffizienz der erste direkte Vergleich zweier pharmakologisch unterschiedlicher Betablocker. Wir konnten an einem typischen multimorbiden Herzinsuffizienzkollektiv erstmals zeigen, dass der hoch selektive Betablocker Bisoprolol eine stärkere Senkung der Herzfrequenz bewirkt als der unselektive Alpha- und Betablocker Carvedilol. Dieses Ergebnis ist von besonderem klinischen Interesse, da kürzlich erschienene Arbeiten die Herzfrequenzsenkung als wichtiges Ziel der Herzinsuffizienztherapie bestätigt haben. Das Ergebnis, dass nur ein Dritte der Patienten in CIBIS-ELD die Zieldosis erreichen, bestätigt die Ergebnisse verschiedener Register. Insgesamt kann bei den Betablockern das Konzept einer Zieldosis in Frage gestellt werden und wird möglicherweise - nach entsprechenden weiteren klinischen Studien - abgelöst von der Dosierung zur Zielherzfrequenz. Neben der stärkeren Frequenzsenkung durch Bisoprolol war es in Bezug auf die Lungenfunktion sicherer und lies die FEV1 unbeeinflusst. Bei Patienten, die Carvedilol erhielten traten mehr pulmonale Nebenwirkungen und eine Reduktion der FEV1 auf, was sich durch die pharmakologischen Eigenschaften gut erklären lässt. Gerade in dem typischen Herzinsuffizienzkollektiv ist dieses Ergebnis von Bedeutung, da COPD eine häufige Nebendiagnose ist (Düngen et al. Eur J Heart Failure 2011).

Vorhersagewert der selbst-eingeschätzten Gesundheit

Mit der selbst-eingeschätzten Gesundheit kann der behandelnde Arzt zu Therapiebeginn einschätzen, wie wahrscheinlich unerwünschte Ereignisse auftreten. Das sind die Ergebnisse einer weiteren Untersuchung unserer Arbeitsgruppe: Herzinsuffiziente Patienten mit schlechter selbst-eingeschätzter Gesundheit waren doppelt so häufig von einer verschlechterten Symptomatik bedroht und wurden fünfmal so häufig hospitalisiert. Die einfache Frage "Wie würden Sie Ihren Gesundheitszustand im Allgemeinen beschreiben?" sollte in die Routinebetreuung herzinsuffizienter Patienten aufgenommen werden Lainscak, Düngen et al. Int. J Cardiol 2011).

Biomarker bei Herzinsuffizienz

Anti-Troponin I hingegen scheint kein sinnvoller Marker zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Herzinsuffizienz zu sein. Im Gegensatz zu NT-proBNP und Troponin I gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen verschiedenen Herzinsuffizienzschweregraden von 138 Patienten und 300 gesunden Kontrollen (Düngen et al Eur J Heart Failure 2010).

Behandlung der diastolischen Herzinsuffizienz: körperliches Training

Für herzinsuffiziente Patienten mit erhaltener Pumpfunktion ist das kombinierte Kraft- und Ausdauertraining eine hocheffektive Therapie. Dies konnten wir erstmals in der randomisierten, kontrollierten Studie Ex-DHF zusammen mit Kollegen der Universität Göttingen und München zeigen. Die Therapie erhöhte nicht nur die maximale Sauerstoffaufnahme und die Lebensqualität, sie war außerdem spezifisch und verbesserte die diastolische Funktion und das atriale Remodelling (Edelmann, Gelbrich, Düngen et al. JACC 2011).

Selbst initiierte Studien

  • MOLITOR: Multizentrische, multinationale Beobachtungsstudie zu Biomarkern bei akuter Herzinsuffizienz
  • TOP40: Berliner Herzinsuffizienz-Register
  • EX-DHF: Multizentrische, randomisierte Trainingsintervention bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz (DFG).
  • Body Composition in Heart Failure: In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Weltraummedizin Berlin und dem Centrum für Schlaganfallforschung
  • Advanced Nursing Practice in heart failure. In Zusammenarbeit mit Department of Social- and Welfare Studies, Linköpings Universität, Schweden und der Stiftung Charité.
  • Soluble prorenin receptor (sPRR) and auto-antibodies targeting AT1-receptors in patients with chronic heart failure: in Zusammenarbeit mit dem ECRC, AG Dechend.

Teilnahme an multizentrischen Investigator initiierten Studien

  • ALDO-DHF: Multizentrische randomisierte, kontrollierte Studie zu Aldosteronantagonisten bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz
  • BIOSTAT-CHF: Multizentrische, multinationale Beobachtungsstudie zu Biomarkern bei Therapieeinstellung der Herzinsuffizienz (Europäische Union FP7).

WG Düngen

Prof. Dr. med. Hans-Dirk Düngen

Oberarzt Echokardiographie-Labor, Arbeitsgruppenleitung „Multizentrische Therapiestudien“