Herzinsuffizienz

In den letzten Jahren wurden wesentliche Erkenntnisse zur Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) hinzugewonnen. Abhängig von Füllungs- und Auswurffunktion des Herzens werden unterschiedliche Arten der Herzinsuffizienz unterschieden. Für die Herzinsuffizienz mit verringerter Ejektionsfraktion (HFrEF) stehen schon länger etablierte, aber auch neue Therapiemethoden zur Verfügung, um die Symptome und die Prognose zu verbessern. Die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF, „diastolische Herzinsuffizienz“, „steifes Herz“) kann durch neue diagnostische Verfahren besser diagnostiziert werden und erfordert ein individualisiertes Therapiekonzept.

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Bei Patienten mit Herzinsuffizienz kann es zu akuten Verschlechterungen des Gesundheitszustands und zu Herzrhythmusstörungen kommen, die frühzeitig erkannt und behandelt, und denen vorgebeugt werden sollte.

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Die Kardiologie am Virchow-Klinikum unter der Leitung von Prof. Burkert Pieske ist ein international führendes Zentrum zur Behandlung der Herzinsuffizienz (HFrEF und HFpEF) und wird gestärkt durch die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin am selben Standort. Die Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz erstreckt sich über folgende Bereiche:

Erkennung und Diagnose der Herzinsuffizienz

Luftnot und Abgeschlagenheit können viele Ursachen haben. Häufig kann von den zuweisenden ärztlichen Kollegen und Kolleginnen durch ambulante Diagnostik die Diagnose Herzinsuffizienz schon eingegrenzt werden. In unserer ambulanten Funktionsdiagnostik ergänzen wir die vorliegenden Befunde durch gezielte weiterführende Untersuchungen. Dazu gehören:

  • Biomarker aus dem Blut (z.B. NTproBNP)
  • erweiterte Echokardiographie, einschließlich Gewebe-Doppler (TDI), Speckle Tracking (Strain), 3D Echokardiographie
  • kardiale Magnetresonanz-Bildgebung (cineMR) mit Struktur- und Funktionsbestimmungen
  • körperliche oder pharmakologische Belastungstests: Ergometer- oder Laufband-Belastung, Streß-Echokardiographie, Streß-MRT
  • kardiopulmonale Funktionsuntersuchungen (Spiroergometrie)
  • Rechtsherzkatheter-Untersuchungen in Ruhe und unter Belastung

Invasive Diagnostik

Zur Ergründing der Ursache der Herzinsuffizienz und ggf. Einleitung einer ursächlichen Therapie steht die Herzkatheteruntersuchung (Ausschluß einer KHK) oder bei entsprechender Indikation eine Myokardbiopsie (Nachweis Myokarditis, Speicherkrankheit) zur Verfügung. Auch hämodynamische Messungen (Druck, Volumen, Widerstand) im Rahmen einer Herzkatheter-Untersuchung können Aufschluss über eine geeignete ursächliche Therapie geben (z.B. bei Herzklappenerkrankungen).

Beginn und Optimierung einer medikamentösen Therapie

Bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz wird die bestehende medikamentöse Therapie in Anlehnung an die Leitlinien der Fachgesellschaften, aber individuell abgestimmt auf den einzelnen Patienten angepasst. Gerade Patienten mit Begleiterkrankungen (Diabetes, Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen) ist eine enge und interdisziplinäre Kooperation zwischen erfahrenen Ärzten aus dem niedergelassenen Bereich und unserer Herzinsuffizienz-Sprechstunde wichtig. Unsere Empfehlungen werden mit den Patienten und den behandelnden niedergelassenen Ärzten abgestimmt. Das universitäre Umfeld bietet beste Voraussetzungen für neue, evidenzbasierte Behandlungsverfahren.

Rhythmustherapie bei Herzinsuffizienz

Funktionsverlust im Herzmuskel und Herzrhythmusstörungen sind oft miteinander verbunden. Vorhofflimmern ist eine häufige Rhythmusstörung, die Herzinsuffizienz auslösen oder bestehende Herzinsuffizienz verschlechtern kann. Wir optimieren die medikamentöse Therapie in Hinblick auf den Herzrhythmus und führen auch bei Herzinsuffizienz eine Katheterablation von Vorhofflimmern durch, wenn eine Verbesserung für den Patienten wahrscheinlich ist. Auch häufige Extraschläge aus der Herzkammer (ventrikuläre Extrasystolen) können Herzinsuffizienz induzieren, hier kann eine Ablation ebenfalls helfen. Darüberhinaus identifizieren wir Patienten mit Herzinsuffizienz, bei denen das Risiko für den plötzlichen Herztod erhöht ist. In diesem Fall kann die Implantation eines Defibrillators zur Prophylaxe indiziert sein (s. Gerätetherapie).

Verlaufskontrollen und Früherkennung einer Gesundheitsänderung, Biomonitoring, CardioMEMS

Verlaufskontrollen erfolgen im Allgemeinen beim behandelnden niedergelassenen Kardiologen und können auf Wunsch bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder speziellen Indikationen durch Diagnostik in unserer Herzinsuffizienz-Hochschulambulanz ergänzt werden. In bestimmten Fällen können neue Verfahren zur Verlaufskontrolle (Monitoring) von Biosignalen eingesetzt werden (CardioMEMSTM zur Messung des pulmonalarteriellen Drucks, implantierbare Ereignismonitore, Telemedizin), um akute Herzinsuffizienz oder akute Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu erkennen. Bei Patienten mit implantiertem Defibrillator (ICD) kann eine Geräteabfrage in unserer ICD-Ambulanz wichtige Informationen geben.

Gerätetherapie bei Herzinsuffizienz

Bestehen Symptome trotz optimierter medikamentöser Behandlung weiterhin, dann wird in unserer Hochschulambulanz geprüft, ob die verminderte Herzfunktion bei chronischer Herzinsuffizienz durch die Implantation eines elektrischen Stimulators verbessert werden kann (s. Gerätetherapie der Herzinsuffzienz.

Herzunterstützungssysteme

Bei schwerer Herzinsuffizienz (HFrEF) kann es erforderlich werden, das Herz durch eine extern gesteuerte Pumpe („Assist Device“) zu unterstützen. Ob und wann eine solche Therapie sinnvoll ist, wird von uns und den herzchirurgischen Kollegen aus dem DHZB gemeinsam mit dem Patienten, den Angehörigen und den behandelnden Ärzten ausführlich besprochen.

Innovative Therapien

Die Kardiologie am Virchow-Klinikum ist eng in internationale Netzwerke eingebunden, die neue Therapieverfahren zur Herzinsuffizienz im Rahmen kontrollierter klinischer Studien prüfen. Als führendes universitäres Zentrum sind wir dabei sehr hohen Standards in Bezug auf Patientensicherheit, wissenschaftlicher Qualität und klinischem Nutzen verpflichtet. In unserer Klinischen Studienambulanz[LINK] erhalten Sie Auskunft über derzeit geprüfte, vielversprechende neue Therapieansätze.